„Güstrow hat ein Rassismus-Problem. Aufklärung ist dringend notwendig.“ – Antifaschistisch-Antirassistische Gruppe aus Güstrow klärt mit Flyern über Asyl und Lebensbedingungen von Flüchtlingen auf

Gemeinsame Pressemitteilung der Kampagne „Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“ und der „Antifaschistischen und Antirassistischen Kampagne Güstrow“

Am gestrigen Abend wurden in den Stadtteilen Dettmannsdorf und Distelberg in Güstrow Flyer verteilt, die die Anwohnenden über Asyl und über Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland informieren sollen. In den vergangenen Wochen und Monaten zeichnete sich in Güstrow nach dem Bekanntwerden des ehemaligen Internats der Deutschen Bahn als neuer Standort für ein Flüchtlingslager eine von Rassismus geprägte Debatte ab. Einem Leserbrief in der Schweriner Volkszeitung von Steffen S., dem Geschäftsführer der angrenzenden Kita, der als erster öffentlich seine Ablehnung gegen die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft in Dettmannsdorf äußerte, folgte ein Flyer einer Bürgerinitiative aus Dettmannsdorf, eine Petition und Unterschriftenlisten gegen die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in Güstrow-Dettmannsdorf. Gängige rassistische Vorurteile drückten sich dabei unter anderem in Warnungen vor einem erhöhten Konfliktpotential, vor einer Gefährdung der Kinder, vor Raubzügen durch angrenzende Gärten, vor einer Existenzgefährung der angrenzenden Kita aus. In der Nacht zum 5. Oktober 2012 äußerte sich die offene Ablehnung schließlich mit einem Buttersäreanschlag auf das Gebäude des künftigen Flüchtlingsheims.

Das sich aufheizende rassistische Klima in Güstrow nahm die Antifaschistische und Antirassistische Kampagne Güstrow zum Anlass, um mit Unterstützung der Kampagne „Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“ durch einen Flyer rassistische Vorurteile zu entkräften und eine Willkommenskultur für Asylsuchende in Güstrow zu stärken: „Wir wollen das rassistische Klima in der Stadt und im Umland nicht länger dulden! Güstrow hat ein Rassismus-Problem. Aufklärung ist dringend notwendig. Uns ist es wichtig, Vorurteile gegenüber Asylsuchenden zu beseitigen“, so Mareike Schmidt von der Güstrower Kampagne.
„Vor allem in Kleinstädten und in ländlichen Gebieten haben es Flüchtlinge meist noch schwerer als ohnehin durch die zahlreichen restriktiven und rassistischen Gesetze, durch die der Staat das Leben von Asylsuchenden weitreichend bestimmt. So führen infrastrukturelle Schwächen und ungenügend Unterstützungsangebote zu Ausgrenzung, Isolation, Perspektivlosigkeit und zu körperlichen sowie psychischen Erkrankungen. Zudem stellen ein oft starker Alltagsrassismus, rassistische Angriffe und organisierte Neonazi-Strukturen, wie es sie auch in Güstrow gibt, eine reale Gefahr für als „fremd“ wahrgenommene Menschen dar. Um so mehr begrüßen wir das Engagement der neuen Antifaschistischen und Antirassistischen Kampagne aus Güstrow, mit dem Flyer über die realen Lebensbedingungen von Flüchtlingen aufzuklären und die Akzeptanz gegenüber den künftig in Güstrow lebenden Flüchtlingen vergrößern zu wollen“, bekräftigt Kim Ayalan, Pressesprecherin der Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“.

Presse

Ostsee-Zeitung (online) vom 19.12.12 „Antifaschisten werfen Güstrow Rassismus vor“

Ostsee-Zeitung vom 21.12.12 „Streit um Asylheim geht in die nächste Runde“

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