Stimmen aus dem Wolgaster Flüchtlingslager zur aktuellen Situation

Interview mit Malik* und Nuri*
(*Namen geändert)

Antje: Seit wann seid ihr in Wolgast?

Malik: Seit eineinhalb Monaten.
Nuri: Ja, ich auch, seit fast einem Monat.

Antje: Wie hast du dir das Leben in Deutschland vorgestellt?

Malik: Ich habe mir das Leben hier in Deutschland irgendwie besser vorgestellt. Ich war bereits in anderen europäischen Ländern. Ich kenne die Situation in Griechenland und in Italien. Sogar in Italien war es besser als in Deutschland. Jetzt hier in Wolgast zu sein ist nicht einfach für mich. Ich habe auch das Gefühl, dass die Mitarbeiter hier im Heim nicht sehr viel Sympathie für uns haben.

Antje: Wie ist es für euch in Wolgast zu leben?

Nuri: Es ist schwierig in Wolgast, es ist eine kleine Stadt. Wir können nicht zur Schule gehen, wir haben keine Bewegungsfreiheit. Hier in Wolgast gibt es keine Schule für uns und es ist für uns sehr wichtig die Sprache zu lernen. Es gibt hier für uns keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Es ist schwer in Deutschland zu leben, besonders hier in Wolgast.
Malik: Das Leben in Wolgast ist sehr traurig. Viele Leute hier sind nicht sehr nett, viele verhalten sich uns gegenüber rassistisch.
Nuri: Wenn wir uns in der Stadt aufhalten, dann ist das schon problematisch. Ich denke, dass viele Leute uns hier hassen. Wenn wir zum Supermarkt gehen werden wir angepöbelt. Auf der Straße gibt es auch einige nette Leute, aber oft werden wir beschimpft. Hier in Wolgast gibt es viele Rassisten. Sie sagen zu uns, wir sollen aus Wolgast verschwinden und woanders leben. Es gibt aber auch Leute, die zum Heim kommen, um uns zu besuchen, um sich mit uns zu unterhalten.

Antje: Wie fühlt ihr euch, jetzt wo ihr wisst, dass es in Wolgast einen Naziaufmarsch geben soll?

Malik: Viele von uns haben Angst! Einige werden Wolgast am Freitag verlassen weil sie nicht wissen was passieren wird. Es ist schwer für uns. Wir können ja nicht einfach wo anders leben, in Hamburg oder Berlin beispielsweise, das ist für uns schon sehr schwer.
Nuri: Wir haben die Erlaubnis bekommen, für mehrere Tage Wolgast zu verlassen um beispielsweise nach Rostock, Berlin oder Hamburg zu fahren während der Nazidemonstration. Aber das ist für uns keine Lösung.

Antje: Und was werdet ihr machen?

Nuri: Ich und meine Freunde werden in Wolgast bleiben am Freitag.
Malik: Ja, wir bleiben hier!

Antje: Wie verhalten sich die MitarbeiterInnen der Flüchtlingsunterunft euch gegenüber?

Malik: Die Mitarbeiter haben uns nicht einmal über die Nazidemo informiert, das haben Leute von außerhalb gemacht, die gekommen sind um mit uns zu sprechen! Wir haben die Mitarbeiter gefragt, warum sie uns das nicht sagt haben, schließlich hatten sie gesagt, dass sie sich um uns kümmern würden.

Antje: Gab es schon mal Probleme mit den MitarbeiterInnen der Flüchtlingsunterunft ?

Nuri: Nachdem einige von uns zu den Flüchtlingsprotesten nach Berlin gefahren sind, haben sie am Zahltag kein Geld bekommen, erst drei Tage später und auch weniger als sonst. Wenn wir nicht die ganze Zeit hier im Heim sind, bekommen wir auch nicht den vollen Betrag ausgezahlt.

Antje: Wie habt ihr in der Situation reagiert? Habt ihr Unterstützung von Leuten, die euch in solchen Fällen helfend zur Seite stehen?

Nuri: Wir haben klar gesagt, dass es ungerecht ist, wenn wir weniger Geld bekommen und das wir unser Geld fordern. Wir nehmen das nicht einfach alles hin. Unser Protest hat dazu geführt, dass das Geld drei Tage später ausgezahlt wurde. Wir haben auch Leute, die uns mögen und die sich für uns einsetzen. Darüber sind wir sehr froh!

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