PM: Situation in Wolgast spitzt sich zu – NPD ruft am Tag der 74. Jährung der Reichspogromnacht zu einem Fackelmarsch gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf

Pressemitteilung

Stop it! Rassismus bekämpfen, alle Lager abschaffen, 25.10.2012

Der Landesverband der NPD in MV ruft zu einem Fackelmarsch am 9. November gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf. Laut Informationen des Nordkuriers und der Ostsee-Zeitung soll der Fackelmarsch vom Bahnhof zur Flüchtlingsunterkunft in Wolgast-Nord ziehen, wo es eine Kundgebung geben werde, bei der die NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Michael Andrejewski reden. Die NPD hat für diesen Tag bis in die Nacht hinein (24 Uhr) Aktivitäten angemdeldet. Das sicher nicht zufällig gewählte Datum der Reichspogromnacht steht stellvertretend für die November-Pogrome von 1938 in Nazi-Deutschland, bei denen Synagogen brannten, jüdische Geschäfte geplündert wurden, Juden und Jüdinnen gedemütigt und verfolgt, hunderte ermordet und tausende ins KZ deportiert wurden.
Die NPD betreibt seit geraumer Zeit rassistische Hetze unter anderem mit einer Kundgebung und Flyern gegen Asylsuchende und die neu enstandene Flüchtlingsunterkunft in Wolgast. In Sorge um die dort untergebrachten Asylsuchenden richtete die Stop it! Kampagne gemeinsam mit zahlreichen Initiativen, Gruppen, sowie Landtags- und Bundestagsabgeordneten am 28. September einen Offenen Brief an die Stadt Wolgast und den Kreis Vorpommern-Greifswald. Unter anderem wurden die politischen Verantwortlichen in Stadt und Kreis gefragt, was sie dafür tun, dass sich Flüchtlinge ohne Angst in Wolgast und Umgebung bewegen können, ob es Handlungsstrategien für akute Situationen gibt und was getan wird, um der Propaganda der Nazis etwas entgegen zu setzen.
Antworten auf diese Fragen von Kreis und Stadt bleiben bis heute aus. Indes versucht die Stadt den Schaden an ihrem Image zu begrenzen. Die Perspektive der Flüchtlinge wird dabei vernachlässigt.
Diese berichten davon, regelmäßig rassistischen und diskriminierenden Anfeindungen ausgesetzt zu sein und bei Dunkelheit nicht mehr allein auf die Straße zu gehen. Ein Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft mit einem Explosisonskörper schuf weitere Ängste und Verunsicherung.
„Der geplante Fackelmarsch der NPD nimmt eine neue Qualität der rassitischen Hetze in Wolgast ein und kann das rassistische Klima vor Ort weiter anheizen. Das Bedrohungspotential für die Asylsuchenden nimmt damit defacto weiter zu. Es ist ein Skandal und grob fahrlässig, dass es den Nazis offenbar möglich ist, ihre menschenverachtende Ideologie direkt vor der Flüchtlingsunterkunft am 9. November auf die Straße zu tragen. Wir fordern die verantwortlichen Poltiker_innen und Mitarbeiter_innen der Stadt, des Landkreises und des Landes auf, die geplanten Aktionen der NPD zu unterbinden! Wie auch die protestierenden Flüchtlinge fordern wir Flüchtlingslager zu schließen und stattdessen Asylsuchende in eigenen Wohnungen an Orten mit ausreichend Beratungsstrukturen und anderer Infrastruktur unterzubringen. Eine solche Unterbringung grenzt die Asylsuchenden weniger aus, ist menschenwürdiger und bietet zudem weniger konkrete Angriffsfläche für Rassist_innen und Nazis!“, so Kim Ayalan, Pressesprecherin der Stop it! Kampagne.
Derweil sieht sich die NPD in ihrem Vorhaben von Unionspolitikern bestätigt und nimmt die rassistische und antziganistische Hetze auf, die vom Bundesinnenminister Friedrich und den Landesinnenministern Schünemann (Niedersachsen) und Caffier (MV) kürzlich betrieben wurde, in der Asylsuchenden aus Serbien und Mazedonien, mehrheitlich Roma, pauschal „Asylmissbrauch“ unterstellt und die Abschaffung der Visafreiheit gefordert wurde. „Wir fordern weiterhin, die rassistische und antiziganistische Hetze gegen Roma zu beenden und den Nazis nicht weiteren Nährboden für ihre menschenverachtende Ideologie und Proganda zu liefern.“, so Ayalan abschließend.

Pressespiegel zum Brief und zur weiteren Entwicklung

Ostsee-Zeitung vom 29.9.2012 „Besserer Schutz für Asylsuchende gefordert“

Norddeutsche Neueste Nachrichten vom 29.09.2012 Anti-Rassismus-Bündnis fordert Schutz der Asylsuchenden in Wolgast

Evangelische Kirche in MV vom 29.09.2012 „Prominente Politikerinnen besorgt über Lage von Asylbewerbern in Wolgast“

Störungsmelder (Zeit.de) vom 30.09.2012 „Initiativen schlagen Alarm wegen rassistischer Situation in Wolgast“

Nordkurier vom 01.10.2012 Politprominenz fordert: Schützt die Flüchtlinge in Wolgast vor Gewalt!

Nordkurier vom 04.10.2012 Wolgast wehrt sich gegen Naziklischees

Ostsee-Zeitung vom 08.10.2012 „Lasst es uns im Kleinen versuchen“

Nordkurier vom 08.10.2012 „Angriff auf Asylbewerberheim“

Ostsee-Zeitung vom 09.10.2012 „Böllerattacke auf Balkon von Asylbewerbern“

NDR 1 Radio MV vom 09.10.2012 „Flyer soll Akzeptanz für Asylbewerber erhöhen“

Taz vom 10.10.2012 „Mitten im Leben“

Ostsee-Zeitung vom 11.10.2012 „Sellering besucht Asylbewerberheim“

NDR vom 11.10.2012 „Sellering besucht Asylbewerberheim“

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.10.2012 „Das eingeübte Ritual“

Mut gegen Rechte Gewalt vom 16.10.2012 „Rostock Lichtenhagen wird sich nicht wiederholen… … hoffentlich, hoffentlich“

Vier zu drei (Blog) vom 17.10.2012 „Wolgast, das Opfer der Medien – Eine Replik“

Süddeutsche Zeitung vom 17.10.2012 „Die Leute sind nicht froh, dass wir hier sind“

Jungle World vom 18.10.2012 „Rostock wirkt“

Ostsee-Zeitung vom 25.10.2012 „Demokraten planen Lampionumzug und Lichterkette“

Nordkurier vom 25.10.2012 „Geplanter Fackelzug stößt in Vorpommern auf Widerstand“

Hamburger Abendblatt vom 25.10.2012 „Eine Lichterkette gegen den rechten Fackelmarsch“

Nordkurier vom 29.10.2012 „Wolgast wappnet sich gegen Nazi-Aufmarsch“

Ostsee-Zeitung vom 3.11.2012 „Demokraten bereiten Mahnwachen vor“

Nordkurier vom 3.11.2012 „Löscht der Kreis die Fackeln der Neonazis in Wolgast?“

Ostsee-Zeitung vom 5.11.2012 „Landkreis verbietet NPD-Fackelmarsch“

Nordkurier vom 6.11.2012 „Kreis verbietet Nazis ihren Fackelmarsch“

Nordkurier vom 8.11.2012 „Kreis will Nazis weiter ausbremsen“

Schweriner Volkszeitung vom 9.11.2012 „Landkreis geht weiter gegen NPD-Aufmarsch vor“

Ostsee-Zeitung vom 9.11.2012 „Wolgast-Demo: Staatsschutz späht Busfirmen aus“

NDR vom 9.11.2012 „Staatsschutz spioniert Gegendemonstranten aus“

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2 Antworten auf „PM: Situation in Wolgast spitzt sich zu – NPD ruft am Tag der 74. Jährung der Reichspogromnacht zu einem Fackelmarsch gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf“


  1. 1 d_l 29. Oktober 2012 um 14:58 Uhr
  1. 1 PM von Stop It!: Situation in Wolgast spitzt sich zu – NPD ruft am Tag der 74. Jährung der Reichspogromnacht zu einem Fackelmarsch gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf « 20 Jahre nach den Pogromen in Rostock Lichtenhagen Pingback am 26. Oktober 2012 um 12:46 Uhr
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