„Wir sind alle Menschen und haben alle Menschenrechte!“ – 350 Menschen demonstrierten in Horst/Boizenburg gegen Ausgrenzung und Lagerunterbringung

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weitere Fotos gibts hier, hier und hier

Am vergangenen Samstag, dem 14.01.2012 fand vor dem Erstaufnahme- und Abschiebelager in Horst (bei Boizenburg) eine Kundgebung mit 350 Teilnehmenden statt. Die Teilnehmenden positionierten sich gegen die menschenverachtenden Bedingungen in Horst und die Lagerunterbringung von Flüchtlingen. An der Kundgebung nahmen, neben vielen Hamburger_innen, auch Flüchtlinge und Unterstützer_innen aus ganz MV teil. Nahezu alle Flüchtling, die in MV leben, waren selbst mindestens drei Monate in Horst zwangsuntergebracht und berichten immer wieder über die schlimmen Erfahrungen, die sie in Horst gemacht haben.

Die Menschen müssen in dem Lager in Horst ihre Privatsphäre und ihr Recht auf Selbstbestimmung aufgeben. Sie müssen in Mehrpersonenzimmern für bis zu 6 Personen schlafen und vorgeschriebenes Essen in der Kantine zu vorgeschriebenen Zeiten zu sich nehmen. Sie bekommen eine völlig unzureichende medizinische Versorgung und ein monatliches „Taschengeld“ von 40 €. Das sind nur einige der existierenden Missstände, gegen die sich in den letzten Jahren immer wieder Protest seitens der Flüchtlinge und Antirassistischer Gruppen richtete. Die Isolation im Lager wird dadurch verstärkt, dass die Flüchtlinge in Horst unter gefängnisähnlichen Bedingungen leben. Das Gelände ist von einem massiven Zaun umgeben. Das sich auf dem Gelände befindende Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist sogar zweifach durch einen Zaun gesichert. Während der Kundgebung zeigte die Polizei nicht allein vor dem Gelände Präsenz und kontrollierte Autos und Personalien von Teilnehmer_innen der Kundgebung, sondern patrouillierten auch zwischen den Wohnblocks des Lagers. Das dies zu einer Einschüchterung der Bewohnenden beiträgt und sie von der Teilnahme an der Kundgebung fernhält, ist offensichtlich!

Die Teilnehmenden forderten in mehreren Redebeiträgen eine sofortige Schließung des Lagers und äußerten grundlegende Kritik an der deutschen und europäischen Asylgesetzgebung. Mit Kleiderspenden, heißen Getränken, Verpflegung und Musik wurde versucht, etwas Abwechslung in den tristen Lageralltag zu bringen. Mit vielen Transpis, Kreide und Farbe wurde der Unmut über die Situation auch kreativ geäußert.

Die Flüchtlinge erhielten über das offene Mikrophon selbst die Möglichkeit, über ihre Situationen zu berichten: Ein junger Flüchtling sagte dass er viele Probleme berichten könne. Zum Beispiel dass die Kinder hier nicht zur Schule gehen können oder dass der Strom im Lager nachts ausgestellt werde, damit sich niemand heimlich Tee kochen könne. Grundsätzlich kritisierte er im Namen der Flüchtlinge: „Wir sind nach Deutschland gekommen und dachten, wir hätten hier Menschenrechte. Doch wir haben sie nicht gefunden! Für Flüchtlinge gelten keine Menschenrechte in Deutschland und der EU“, stellte er deprimiert fest.

mehr in der Pressemitteilung der Stop it! Kampagne

es gibt zwei Videobeiträge in der Mediathek vom NDR
(dann „Fernsehen“ anklicken und dann „Sendungen von A-Z“)
im Nordmagazin vom 14.01.2012 (man kann den Beitrag auch unter dem Suchbegriff „Demo für Asylbewerber“ finden)
im Hamburg Journal vom 14.01.2012 (etwa bei 9:20 min)

Pressespiegel
Artikel vom NDR einmal und nocheinmal
Interview mit dem Hamburger Flüchtlingsrat in der Jungen Welt

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