Protest gegen das Flüchtlingslager in Jürgenstorf bei Demmin

Pressemitteilung der Stop-It-Kampagne zum offenen Brief von Flüchtlingen aus der Asylunterkunft in Jürgenstorf/Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern)

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Ende letzter Woche wurde von den BewohnerInnen des Asylheims in Jürgenstorf ein offener Brief an Behörden, Vereine, Kirchen- gemeinden und InteressenvertreterInnen geschickt. In diesem Brief werden die unmenschlichen Wohnbedingungen kritisiert und eine Schließung des Heimes gefordert.
Die AsylbewerberInnenunterkunft in Jürgenstorf bei Stavenhagen in Mecklenburg Vorpommern ist in Zusammenhang mit der zuständigen Ausländerbehörde in den letzten Jahren des öfteren in die Kritik geraten. So kam es 2004 zu Protesten der Asylsuchenden gegen die von der Ausländerbehörde zweimal im Monat vorgenommene Auszahlung ihres Geldes. Damit wurde die den Flüchtlingen zur Verfügung stehende Geldmenge rationiert und sie selbst in ihrem freien Handeln weiter eingeschränkt. Im Oktober 2006 wurde bekannt, dass MitarbeiterInnen in der Ausländerbehörde Schusswaffen offen herumliegen ließen, während die Flüchtlinge in die Sprechstunden kamen. Rainer Plötz, damals wie heute Leiter der Demminer Ausländerbehörde, wurde daraufhin von PolitikerInnen der Grünen zum Rücktritt aufgefordert. Dies blieb jedoch bis heute ohne Folgen. Ebenso sind weitere persönliche Repressionen gegenüber den Flüchtlingen bekannt. Es wurde uns beispielsweise mehrmals berichtet, dass Urlaubsscheine nur in den seltensten Fällen ausgestellt werden. Mit einem sogenannten Urlaubsschein. kann die Residenzpflicht zeitweise unterbunden werden. Diese schränkt die Bewegungsfreiheit von Asylsuchenden und Geduldeten stark ein und schreibt ihnen einen Landkreis zu, in dem sie sich aufhalten müssen. In einigen Bundesländern wurde die Residenzpflicht unter anderem wegen enormer Proteste abgeschafft. Die Vergabepraxen der .Urlaubsscheine. sind von Ausländerbehörde zu Ausländerbehörde verschieden. Hier wird die Willkür der Behörden deutlich: Während in Demmin so gut wie keine .Urlaubsscheine. vergeben werden, werden sie in der Ausländerbehörde Bad Doberan problemloser vergeben, allerdings kosten sie jedes Mal 10 € – egal ob für einen Tag oder eine Woche. Außerdem wird den Bewohnenden des Asylheims von MitarbeiterInnen der Ausländerbehörde offen signalisiert, politische Aktivitäten, Kontakte zur Presse oder Berichte über ihre Situation in Jürgenstorf Auswirkungen auf die Entscheidungen ihres Asylverfahrens hätten. So sind viele Bewohnende eingeschüchtert. Sie trauten sich lange nicht mit Berichten über die Zustände in der Unterkunft in Jürgenstorf an die Öffentlichkeit zu treten. Viele haben nun den Mut gefunden, trotz der widrigen Umstände ihren Protest zu formulieren und so selbst zu versuchen eine Veränderung ihrer Lebensrealitäten herbeizuführen. Da die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland nur selten und zumeist einseitig thematisiert werden, finden wir es wichtig, den Forderungen der Flüchtlinge aus Jürgenstorf und anderswo Gehör zu verschaffen. Wir solidarisieren uns mit den Flüchtlingen in Jürgenstorf und auch in Thüringen. Dort finden derzeit ebenso Proteste gegen die unmenschlichen Wohnbedingungen und die gesellschaftliche Isolation in der Unterkunft Breitenworbis statt.

Kontakt: stop_it@gmx.de

Kim Alayan
(Pressesprecherin der Kampagne
Stop It! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen )

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2 Antworten auf „Protest gegen das Flüchtlingslager in Jürgenstorf bei Demmin“


  1. 1 Administrator 29. September 2011 um 12:17 Uhr
  2. 2 Ingmar 05. Oktober 2011 um 15:57 Uhr

    Bin eben das erste mal auf den Blog gekommen. Gefaellt mir bis jetzt gut.

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